Ratgeber
Waren aus der Türkei in die Schweiz importieren
Die Türkei ist für viele Schweizer Unternehmen ein naheliegender Beschaffungsmarkt: breite Industrie, kurze Wege nach Europa und ein Freihandelsabkommen mit der EFTA. Damit der Import reibungslos läuft, braucht es mehr als einen guten Preis – nämlich geprüfte Lieferanten, saubere Dokumente und eine durchdachte Logistik.

Warum die Türkei als Beschaffungsmarkt?
Die Türkei verfügt über eine breit aufgestellte verarbeitende Industrie und liegt geografisch zwischen Europa und Asien. Für Schweizer Käufer bedeutet das: kürzere Transportzeiten als aus Fernost, flexible Losgrössen und oft die Möglichkeit, Produktionsstätten persönlich zu besuchen.
Typische Warengruppen, die Schweizer Unternehmen aus der Türkei beziehen, sind zum Beispiel:
- Textilien und Bekleidung sowie Heimtextilien (Handtücher, Bettwäsche, Vorhänge)
- Lebensmittel wie Trockenfrüchte und Nüsse
- Keramik, Fliesen und Sanitärprodukte
- Möbel und Einrichtung
- Metall- und Maschinenteile, Automobilkomponenten
Freihandelsabkommen EFTA–Türkei: Was es bringt
Die Schweiz ist über die EFTA mit der Türkei durch ein Freihandelsabkommen verbunden. Das modernisierte Abkommen wurde am 25. Juni 2018 unterzeichnet und ist am 1. Oktober 2021 in Kraft getreten. Es umfasst Industrieprodukte, Fisch und verarbeitete Landwirtschaftsprodukte sowie Dienstleistungen, geistiges Eigentum und öffentliches Beschaffungswesen. Für Agrarprodukte gilt ein separates, ebenfalls modernisiertes bilaterales Landwirtschaftsabkommen zwischen der Schweiz und der Türkei, das am selben Tag in Kraft trat.
Wichtig für die Praxis: Seit dem 1. Januar 2024 hat die Schweiz die Zölle auf Industrieprodukte einseitig aufgehoben. Für Textilien, Maschinenteile oder Möbel fällt bei der Einfuhr deshalb in der Regel ohnehin kein Zoll an – das Abkommen bringt hier keinen zusätzlichen Zollvorteil. Relevant bleibt der präferenzielle Ursprung vor allem für landwirtschaftliche und verarbeitete Agrarprodukte, bei denen die Schweiz weiterhin Zölle erhebt, sowie für Schweizer Exporte in die Türkei.
| Warenart | Zoll bei Einfuhr in die Schweiz | Ursprungsnachweis wichtig? |
|---|---|---|
| Industrieprodukte (Kap. 25–97, mit wenigen Ausnahmen) | seit 1.1.2024 in der Regel zollfrei | für den Zoll meist nicht, ggf. für Kundenanforderungen |
| Landwirtschafts- und verarbeitete Agrarprodukte | zollpflichtig, Präferenz möglich | ja – Voraussetzung für Präferenzzoll |
| Alle Waren | Einfuhrsteuer (MWST) 8,1 % bzw. 2,6 % | unabhängig vom Ursprung |
Stand September 2026 – Details können sich ändern; massgeblich sind die Angaben von BAZG und SECO sowie der Zolltarif Tares.
Ursprungsnachweis richtig vorbereiten
Wer eine Zollpräferenz beanspruchen will, muss den präferenziellen Ursprung nachweisen. Die Ursprungsregeln des Abkommens folgen dem Regionalen Übereinkommen über Pan-Europa-Mittelmeer-Präferenzursprungsregeln (PEM). Dieses erlaubt unter bestimmten Bedingungen die Kumulation von Vormaterialien aus der Türkei, den EFTA-Staaten und weiteren PEM-Ländern.
Als Nachweis dienen je nach Abkommen und Warenwert eine Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 oder eine Ursprungserklärung auf der Handelsrechnung. Vereinbaren Sie mit dem Lieferanten vertraglich, welcher Nachweis mitgeliefert wird, und prüfen Sie ihn vor dem Versand – ein fehlender oder fehlerhafter Nachweis lässt sich nachträglich nur mit Aufwand korrigieren.
Der Ablauf Schritt für Schritt
Von der ersten Anfrage bis zur verzollten Ware in der Schweiz – so sieht ein typischer Importablauf aus.
- 01Ware einreihen
Die achtstellige Zolltarifnummer im Schweizer Zolltarif Tares bestimmen. Sie entscheidet über Zoll, Einfuhrsteuersatz und mögliche Bewilligungspflichten.
- 02Lieferanten prüfen
Handelsregisterauszug, Referenzen, Zertifikate und Produktionskapazität prüfen; bei grösseren Aufträgen den Betrieb besuchen oder auditieren lassen.
- 03Muster freigeben
Muster bestellen, testen und ein freigegebenes Referenzmuster festhalten, an dem die Serienware später gemessen wird.
- 04Vertrag und Incoterm festlegen
Spezifikation, Preis, Zahlungsbedingungen, Liefertermin, Ursprungsnachweis und Incoterm mit Ort schriftlich vereinbaren.
- 05Qualität vor Versand prüfen
Eine Vorversandinspektion durch eine unabhängige Prüfstelle vor Ort bestätigt Menge, Qualität und Verpackung, bevor die Restzahlung fliesst.
- 06Transport und Transit organisieren
Spedition beauftragen; die Ware reist meist im Versandverfahren durch die EU bis zur Schweizer Grenze oder zu einem Inlandzollamt.
- 07Verzollen in der Schweiz
Spedition oder Zolldienstleister meldet die Ware an; Zoll (falls geschuldet) und Einfuhrsteuer werden erhoben, oft über das Zollkonto ZAZ.
Transport: Lkw, Container oder Luftfracht
Welche Transportart passt, hängt von Volumen, Dringlichkeit und Ware ab. Die Türkei ist Vertragspartei des Übereinkommens über ein gemeinsames Versandverfahren (NCTS). Waren können deshalb unter Zollverschluss durch die EU transportiert werden und werden erst in der Schweiz verzollt.
| Transportart | Typischer Weg | Geeignet für |
|---|---|---|
| Lkw auf dem Landweg | über den Balkan und Mitteleuropa | Teil- und Komplettladungen, planbare Laufzeiten |
| Lkw kombiniert mit Ro-Ro-Fähre | per Fähre nach Italien (z. B. Triest), dann per Lkw | Komplettladungen, oft schneller als der reine Landweg |
| Seefracht im Container | über Mittelmeer- oder Nordseehäfen, weiter per Bahn oder Lkw | grosse Volumen, weniger zeitkritische Ware |
| Luftfracht | direkt an Schweizer Flughäfen | Muster, Ersatzteile, dringende Sendungen |
Zahlungsbedingungen und Risiken
Bei neuen Lieferbeziehungen sind die Zahlungsbedingungen ein zentraler Hebel, um Risiken zu begrenzen. Gängig sind:
- Vorauszahlung: einfach, aber das ganze Risiko liegt beim Käufer – nur bei kleinen Beträgen oder bewährten Partnern.
- Anzahlung plus Restzahlung nach Inspektion oder gegen Versanddokumente: ein häufiger Kompromiss.
- Dokumentenakkreditiv: die Bank zahlt nur gegen vorgelegte, konforme Dokumente – hohe Sicherheit, aber Gebühren und Formalitäten.
- Dokumenteninkasso: Dokumente werden gegen Zahlung oder Akzept freigegeben – günstiger, aber weniger abgesichert.
- Offene Rechnung: üblich bei etablierten, vertrauensvollen Beziehungen.
Achten Sie auch auf das Währungsrisiko: Preise in Euro oder US-Dollar und schwankende Wechselkurse können die Kalkulation spürbar verändern. Legen Sie Vertragswährung und Preisgültigkeit klar fest.
Wie ZETA Sie unterstützt
ZETA begleitet Beschaffungsprojekte aus der Türkei von der Lieferantensuche bis zur Lieferung in die Schweiz. Wir helfen bei der Auswahl und Prüfung von Lieferanten, koordinieren Muster und Qualitätskontrollen und stimmen den Ablauf mit Lieferanten, Speditionen, Zolldienstleistern und Prüfstellen ab.
Die Zollanmeldung selbst übernimmt eine Spedition oder ein Zolldienstleister; rechtliche und steuerliche Detailfragen klären Sie mit BAZG, ESTV oder Ihrer Treuhand. Wir sorgen dafür, dass alle Beteiligten zur richtigen Zeit die richtigen Informationen haben.
Häufige Fragen
Muss ich auf Waren aus der Türkei Zoll bezahlen?
Für Industrieprodukte in der Regel nicht: Die Schweiz hat die Industriezölle am 1. Januar 2024 aufgehoben. Auf Landwirtschaftsprodukte können weiterhin Zölle anfallen; mit gültigem Ursprungsnachweis ist teilweise ein Präferenzzoll möglich. Massgeblich ist der Zolltarif Tares.
Fällt beim Import aus der Türkei Mehrwertsteuer an?
Ja. Auf praktisch alle eingeführten Waren erhebt das BAZG die Einfuhrsteuer, derzeit 8,1 % oder 2,6 % (reduzierter Satz, z. B. für Lebensmittel). MWST-pflichtige Unternehmen können sie in der Regel als Vorsteuer abziehen.
Welcher Ursprungsnachweis gilt im Handel mit der Türkei?
Je nach Abkommen und Warenwert eine Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 oder eine Ursprungserklärung auf der Rechnung. Er ist vor allem für Agrarprodukte und für Exporte in die Türkei entscheidend.
Wie lange dauert der Transport aus der Türkei?
Das hängt von Transportart, Route und Abfertigung ab. Lkw-Transporte sind in der Regel deutlich schneller als Seefracht; genaue Laufzeiten nennt Ihnen die beauftragte Spedition.
Hat ZETA ein Büro in der Türkei?
Nein. ZETA arbeitet von Zürich aus und koordiniert Beschaffungsprojekte mit Lieferanten, Speditionen und unabhängigen Prüfstellen vor Ort.



