Ratgeber
Lieferanten im Ausland finden und prüfen
Ein guter Lieferant im Ausland kann Kosten senken, das Sortiment erweitern und neue Märkte öffnen. Ein schlechter kostet Zeit, Geld und Reputation. Mit einem strukturierten Vorgehen – von der Spezifikation über die Prüfung bis zur Qualitätskontrolle – lassen sich die meisten Risiken früh erkennen.

Der Ablauf in sieben Schritten
Eine systematische Lieferantensuche folgt einem klaren Ablauf. Jeder Schritt reduziert das Risiko für den nächsten.
- 01Anforderungen festlegen
Produkt, Material, Masse, Normen, Menge pro Jahr, Zielpreis, Verpackung und Liefertermine schriftlich definieren. Eine klare Spezifikation ist die Grundlage für vergleichbare Angebote.
- 02Markt recherchieren
Mögliche Lieferländer und Anbieter über Fachmessen, Branchenverbände, Handelskammern, B2B-Plattformen und Exportförderstellen identifizieren.
- 03Longlist und Shortlist bilden
Aus den ersten Treffern eine Liste von Kandidaten erstellen und nach Erfahrung, Grösse, Spezialisierung und Kommunikation auf drei bis fünf Favoriten eingrenzen.
- 04Angebote einholen
Eine Anfrage (RFQ) mit identischer Spezifikation an alle Kandidaten senden – so werden Preise, Lieferzeiten und Bedingungen vergleichbar.
- 05Lieferanten prüfen
Die Favoriten anhand einer Due-Diligence-Checkliste prüfen, bei grösseren Volumen mit Werksbesuch oder Audit.
- 06Muster testen und freigeben
Muster bestellen, gegen die Spezifikation testen und ein freigegebenes Referenzmuster festhalten.
- 07Vertrag und Erstbestellung
Vertrag abschliessen, mit einer überschaubaren Erstbestellung starten und die Ware vor dem Versand prüfen lassen.
Wo man Lieferanten findet
Der beste Kanal hängt von Branche und Produkt ab. Oft lohnt es sich, mehrere zu kombinieren:
- Fachmessen: persönlicher Eindruck, Muster vor Ort und viele Anbieter an einem Ort.
- Branchenverbände und Handelskammern: Mitgliederverzeichnisse und Kontakte, oft mit einer gewissen Vorauswahl.
- B2B-Plattformen: grosse Auswahl, aber sehr unterschiedliche Qualität – Angaben immer selbst überprüfen.
- Switzerland Global Enterprise (S-GE): die offizielle Schweizer Organisation zur Export- und Importförderung, mit Länderinformationen und Kontakten.
- Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk und von Partnern, die ähnliche Produkte beziehen.
Due-Diligence-Checkliste
Bevor Geld fliesst, sollte feststehen, dass der Lieferant existiert, liefern kann und seriös arbeitet. Diese Punkte gehören auf die Liste:
| Prüfpunkt | Was Sie verlangen oder prüfen |
|---|---|
| Rechtliche Existenz | aktueller Handelsregisterauszug, Firmenname und Adresse stimmen mit Rechnungen und Bankkonto überein |
| Steuer- und Zollnummern | MWST- bzw. Steuernummer, im EU-Raum die EORI-Nummer |
| Referenzen | Kunden in vergleichbaren Märkten, idealerweise mit Kontaktmöglichkeit |
| Zertifikate | z. B. ISO 9001 oder Produktzertifikate, falls relevant – Gültigkeit bei der ausstellenden Stelle prüfen |
| Finanzielle Stabilität | Wirtschaftsauskunft, Dauer der Geschäftstätigkeit, Zahlungsverhalten |
| Produktionskapazität | Maschinenpark, Mitarbeitende, Auslastung, eigene Fertigung oder Zwischenhandel |
| Werksbesuch oder Audit | persönlich oder durch eine unabhängige Prüfstelle |
| Sanktionen | Firma, Eigentümer und Bank mit den Sanktionslisten des SECO abgleichen |
Stand September 2026 – Sanktionsmassnahmen ändern sich laufend; massgeblich sind die aktuellen Angaben des SECO.
Muster und Referenzmuster
Muster sind der ehrlichste Test eines Lieferanten. Bestellen Sie Muster von mehreren Kandidaten und prüfen Sie sie gegen die Spezifikation: Masse, Material, Verarbeitung, Verpackung und, wo nötig, Labortests.
Ist ein Muster in Ordnung, wird es als Referenzmuster (Golden Sample) freigegeben, von beiden Seiten gekennzeichnet und aufbewahrt. Vor Serienbeginn lohnt sich zusätzlich ein Vorserienmuster aus der tatsächlichen Produktion – es zeigt, ob der Lieferant die Qualität auch in Stückzahl erreicht.
Verträge und Incoterms
Ein schriftlicher Vertrag schafft Klarheit. Er sollte mindestens Spezifikation und Referenzmuster, Preis und Währung, Zahlungsbedingungen, Liefertermine, Folgen von Verzug oder Mängeln (z. B. Konventionalstrafen), Schutz von Designs und geistigem Eigentum sowie anwendbares Recht und Gerichtsstand regeln. Zwischen Unternehmen aus Vertragsstaaten des UN-Kaufrechts (CISG) gilt dieses grundsätzlich, sofern es nicht ausdrücklich ausgeschlossen wird – lassen Sie Verträge im Zweifel juristisch prüfen.
Die Incoterms der Internationalen Handelskammer (ICC) legen fest, wer Transport, Kosten und Risiko bis zu welchem Punkt trägt und wer die Zollformalitäten erledigt. Schreiben Sie immer Klausel, Ort und Version, zum Beispiel „FCA Istanbul, Incoterms 2020“.
| Klausel | Lieferant liefert … | Risikoübergang | Käufer übernimmt |
|---|---|---|---|
| EXW – Ab Werk | stellt die Ware auf seinem Gelände bereit | bei Bereitstellung | Verladen, Ausfuhrzoll, Transport, Einfuhr – alles |
| FCA – Frei Frachtführer | übergibt die Ware am benannten Ort dem Frachtführer des Käufers, inkl. Ausfuhrabfertigung | bei Übergabe an den Frachtführer | Haupttransport, Einfuhr, Zoll und Einfuhrsteuer |
| DAP – Geliefert benannter Ort | trägt Kosten und Risiko bis zum Bestimmungsort, entladebereit | am Bestimmungsort | Entladen, Einfuhrabfertigung, Zoll und Einfuhrsteuer |
| DDP – Geliefert verzollt | liefert an den Bestimmungsort und erledigt auch die Einfuhr samt Abgaben | am Bestimmungsort | Entladen |
Bei DDP in die Schweiz muss der ausländische Lieferant die Schweizer Einfuhrsteuer tragen und abwickeln – das setzt in der Praxis oft eine MWST-Registrierung mit Steuervertretung in der Schweiz voraus. Für Schweizer Käufer sind FCA oder DAP daher häufig die praktischere Wahl.
Qualitätskontrolle vor dem Versand
Die wichtigste Kontrolle findet statt, bevor die Ware das Werk verlässt – danach sind Reklamationen teuer und langwierig. Bei einer Vorversandinspektion prüft eine unabhängige Prüfstelle vor Ort eine Stichprobe der fertigen Ware. Die Stichprobengrösse und die zulässigen Fehlerquoten werden meist nach einem anerkannten AQL-Verfahren festgelegt und vorab mit dem Lieferanten vereinbart.
Knüpfen Sie die Restzahlung an einen bestandenen Inspektionsbericht. So hat der Lieferant ein klares Interesse, Mängel vor dem Versand zu beheben.
Nach der Erstbestellung: Lieferanten führen
Eine gute Lieferbeziehung entsteht über mehrere Aufträge. Halten Sie Liefertreue, Qualität und Kommunikation fest, besprechen Sie Abweichungen offen und prüfen Sie wichtige Lieferanten regelmässig neu. Ein zweiter, geprüfter Lieferant für kritische Artikel reduziert die Abhängigkeit.
ZETA unterstützt Unternehmen bei der Suche und Prüfung von Lieferanten im Ausland, organisiert Muster und Inspektionen und koordiniert den Ablauf mit Speditionen und Zolldienstleistern bis zur Lieferung in die Schweiz.
Häufige Fragen
Wie finde ich zuverlässige Lieferanten im Ausland?
Kombinieren Sie mehrere Kanäle – Fachmessen, Verbände, Handelskammern, B2B-Plattformen und Switzerland Global Enterprise – und prüfen Sie jeden Kandidaten mit einer Due-Diligence-Checkliste, Mustern und idealerweise einem Werksbesuch.
Welcher Incoterm ist für den Import in die Schweiz sinnvoll?
Häufig FCA oder DAP: Der Lieferant übernimmt die Ausfuhr, Sie oder Ihre Spedition die Einfuhr in die Schweiz. EXW bürdet Ihnen auch die Ausfuhr im Lieferland auf, DDP setzt beim Lieferanten meist eine Schweizer MWST-Registrierung voraus.
Was ist ein Referenzmuster?
Ein freigegebenes, von beiden Seiten gekennzeichnetes Muster, an dem die spätere Serienware gemessen wird. Es ist die Grundlage für Qualitätskontrollen und Reklamationen.
Muss ich Lieferanten auf Sanktionen prüfen?
Ja, das ist dringend zu empfehlen. Gleichen Sie Firma, Eigentümer und Bank mit den Sanktionslisten des SECO ab – die Massnahmen ändern sich laufend.
Was kostet die Unterstützung durch ZETA?
Das hängt vom Umfang ab. Schildern Sie uns Ihr Vorhaben, dann erhalten Sie ein Angebot auf Anfrage.



